Düsseldorf-Benrath – Schloss und Schlosspark als Gesamtkunstwerk

Da ich ja am vergangenen Freitag wieder vertrieblich für RetterPlus unterwegs war, führte mich mein Weg von Hilden direkt ins benachbarte Düsseldorf-Benrath. In Benrath gibt es eine der schönsten Sehenswürdigkeiten Düsseldorfs: Das Schloss Benrath. Schloss und Schlosspark sind immer einen Besuch wert und so habe ich mir es nicht nehmen lassen, für eine knappe halbe Stunde diesen kleinen aber lohnenswerten Abstecher zu unternehmen.

Im Süden Düsseldorfs liegt der Stadtteil Benrath, der vor allem durch ein außergewöhnliches Ensemble aus Architektur, Gartenkunst und Natur geprägt wird. Im Mittelpunkt steht das Schloss Benrath, das zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Düsseldorfs gehört. Doch das Schloss ist nicht allein zu betrachten: Erst gemeinsam mit dem weitläufigen Schlosspark, den Gärten und den Wasseranlagen entsteht die besondere Wirkung dieses Ortes. Schloss und Park wurden als Einheit geplant und gelten heute als selten erhaltenes Gesamtkunstwerk des späten Rokoko.

Die Geschichte des heutigen Schlosses beginnt in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz beauftragte 1755 den Architekten und Gartengestalter Nicolas de Pigage mit dem Bau einer neuen Sommerresidenz. Das Schloss sollte als Lust- und Jagdschloss dienen und gleichzeitig einen repräsentativen Rückzugsort außerhalb der Düsseldorfer Residenz bieten. Zwischen 1755 und 1771 entstand schließlich die Anlage, die heute als Schloss Benrath bekannt ist. Sie entspricht dem Typus einer französisch geprägten Maison de plaisance, also eines fürstlichen Lustschlosses.

Schon bei der Planung spielte der Schlosspark eine ebenso wichtige Rolle wie das Gebäude selbst. Pigage erhielt nicht nur den Auftrag, das Schloss zu errichten, sondern auch die vorhandene Landschaft neu zu gestalten. Aus einem älteren Tiergarten entstand eine kunstvoll gegliederte Parklandschaft. Wege, Alleen, Wälder, Gärten und Wasserflächen wurden so angeordnet, dass sie mit der Architektur des Schlosses in Beziehung stehen. Bauwerk, Garten und Wasser sollten keine voneinander getrennten Bereiche sein, sondern ein gemeinsames künstlerisches Konzept bilden.

Besonders eindrucksvoll ist deshalb der Blick vom Schloss in den Park. Die Architektur setzt bestimmte Blickachsen fort, während die Gartenräume die Gestaltung der Innenräume nach außen verlängern. Dem Kuppelsaal des Schlosses ist beispielsweise der Bereich des Spiegelweihers zugeordnet. Auch die privaten Gärten des Kurfürsten und der Kurfürstin stehen in Verbindung mit den entsprechenden Räumen des Schlosses. Dadurch entsteht der Eindruck, dass sich das Gebäude in die Landschaft hinein fortsetzt.

Der Schlosspark erstreckt sich heute über mehr als 61 Hektar. Rund 45 Hektar davon sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Damit ist der Park nicht nur ein historisches Gartendenkmal, sondern zugleich ein bedeutender Naturraum. Mehr als 80 Vogelarten und über 300 Käferarten wurden dort nachgewiesen. Außerdem wachsen im Park mehr als 60 verschiedene Gehölzarten. Die Verbindung von historischer Gartenkunst und biologischer Vielfalt macht den Schlosspark zu einem besonderen Bestandteil Benraths.

Ein wichtiger Teil der Anlage ist der Französische Garten auf der östlichen Seite des Schlosses. Seine geometrische Gestaltung steht für die formale Gartenkunst des Barock und Rokoko. Wasserbecken, Wege und exakt gestaltete Rasenflächen erzeugen eine regelmäßige Ordnung. Demgegenüber befindet sich der Englische Garten, der stärker von der Idee einer natürlich wirkenden Landschaft geprägt ist. Diese unterschiedlichen Gartenstile zeigen, wie sich die Vorstellungen von Natur und Landschaftsgestaltung im Laufe der Zeit verändert haben.

Eine weitere Besonderheit des Parks ist der Parterregarten. Er gehört zu den ältesten Bereichen der Anlage. Seine Geschichte reicht sogar bis in das 17. Jahrhundert zurück, als er noch zum Vorgängerbau des heutigen Schlosses gehörte. Damit verbindet sich an diesem Ort die Geschichte des älteren Benrather Wasserschlosses mit der späteren Anlage Pigages.

Auch der Küchengarten erzählt eine andere Seite des höfischen Lebens. Er wurde um 1760 angelegt und diente dazu, den Hofstaat während der Aufenthalte in Benrath mit Obst, Gemüse und Kräutern zu versorgen. Schlossgärten waren also nicht ausschließlich Orte der Erholung und Repräsentation. Sie hatten auch eine praktische Funktion. Heute wird der historische Küchengarten weiterhin bewirtschaftet und macht diese Verbindung zwischen Gartenkunst und Versorgung anschaulich.

Wasser spielt im Schlosspark ebenfalls eine zentrale Rolle. Der Schlossweiher und der Spiegelweiher bilden wichtige Gestaltungselemente der Anlage. Sie spiegeln nicht nur die Architektur und die umgebende Vegetation, sondern schaffen zugleich eine besondere Atmosphäre. Zusammen mit Kanälen, Kaskaden und Wasserbecken entsteht ein Wechsel zwischen ruhigen und bewegten Elementen. Das Wasser ist damit weit mehr als eine dekorative Ergänzung: Es gehört zum künstlerischen Konzept des gesamten Parks.

Im 19. Jahrhundert wurde die Parklandschaft teilweise weiterentwickelt. Bedeutende Gartenkünstler wie Maximilian Friedrich Weyhe und Peter Joseph Lenné prägten insbesondere den sogenannten Kurfürstengarten. Dadurch erhielt die Anlage zusätzliche Elemente der Landschaftsgartenkunst. So ist der heutige Schlosspark nicht ausschließlich ein unverändertes Zeugnis des 18. Jahrhunderts, sondern zugleich das Ergebnis einer langen Entwicklung verschiedener Gartenstile.

Auch das Schloss selbst ist heute ein kultureller Ort. Im Hauptgebäude, dem sogenannten Corps de Logis, befindet sich ein Museum, das die Geschichte und Ausstattung der Maison de plaisance vermittelt. Hinzu kommen das Museum für Gartenkunst und das Naturkundemuseum. Damit wird das historische Ensemble nicht nur als Baudenkmal erhalten, sondern auch als Ort der Bildung und kulturellen Vermittlung genutzt.

Besonders bemerkenswert ist, dass der Schlosspark heute öffentlich zugänglich ist. Besucher können durch die Alleen und Gärten spazieren, die Wasserflächen betrachten oder die unterschiedlichen Bereiche des Parks erkunden. Dabei lässt sich erleben, wie eng Architektur und Landschaft miteinander verbunden sind. Der Park ist gleichzeitig Kulturdenkmal, Erholungsraum und Naturschutzgebiet.

Schloss Benrath und sein Park sind deshalb weit mehr als zwei Sehenswürdigkeiten, die zufällig nebeneinanderliegen. Ihre eigentliche Besonderheit liegt in der bewussten Verbindung von Gebäude und Landschaft. Die Architektur bestimmt die Blickrichtungen des Parks, die Gärten erweitern die Räume des Schlosses nach außen, und die Wasserflächen schaffen verbindende Elemente. Dieses Zusammenspiel macht die Anlage zu einem Gesamtkunstwerk.

Wer Benrath besucht, sollte daher nicht nur das Schlossgebäude betrachten. Erst ein Spaziergang durch den Schlosspark lässt erkennen, welche Bedeutung die Landschaft für die Gesamtwirkung der Anlage besitzt. Zwischen historischen Alleen, kunstvoll gestalteten Gärten, alten Bäumen und stillen Weihern wird deutlich, wie eng Kunst und Natur miteinander verbunden werden können.

So steht Schloss Benrath heute beispielhaft für eine Epoche, in der Architektur, Gartenkunst und höfische Lebenswelt eine Einheit bilden sollten. Gleichzeitig hat sich die Anlage zu einem öffentlichen Kultur- und Naturraum entwickelt. Gerade diese Verbindung von Geschichte, Architektur und Natur macht Schloss und Schlosspark Benrath zu einem besonderen Ort Düsseldorfs – und zu einem eindrucksvollen Zeugnis europäischer Garten- und Baukunst.

Bilder: jhmc