Künstliche Intelligenz hat sich in den vergangenen Jahren von einer technischen Spezialanwendung zu einem vielseitigen Werkzeug für Alltag, Studium und Beruf entwickelt. Inzwischen gibt es für nahezu jeden Anwendungsbereich passende KI-Tools – von allgemeinen Chatbots über Recherche- und Schreibassistenten bis hin zu Programmen für Bilder, Videos, Audio und Softwareentwicklung. Welches Tool am besten geeignet ist, hängt deshalb weniger von der Frage ab, welche KI insgesamt „die beste“ ist, sondern vielmehr vom jeweiligen Anwendungszweck und von der Zielgruppe.
Zu den wichtigsten allgemeinen KI-Assistenten gehört ChatGPT von OpenAI. Das Tool richtet sich an eine sehr breite Zielgruppe, darunter Schülerinnen und Schüler, Studierende, Berufstätige, Selbstständige und Unternehmen. ChatGPT kann unter anderem Texte erstellen und überarbeiten, Fragen beantworten, Inhalte zusammenfassen, Ideen entwickeln, Daten analysieren, programmieren und Bilder erzeugen. Sein besonderer Vorteil liegt in dieser Vielseitigkeit: Viele unterschiedliche Aufgaben können innerhalb einer einzigen Anwendung bearbeitet werden. Dadurch eignet sich ChatGPT besonders als Einstieg in die Nutzung generativer KI und als universeller digitaler Assistent.
Claude von Anthropic ist ebenfalls ein vielseitiger KI-Assistent, wird jedoch besonders häufig für anspruchsvolle Textarbeit, umfangreiche Dokumente, Analyse und Programmierung eingesetzt. Die Zielgruppe sind deshalb insbesondere Studierende, Forschende, Texterinnen und Texter, Wissensarbeiter sowie Entwicklerinnen und Entwickler. Claude kann lange Texte analysieren, Inhalte strukturieren, Zusammenfassungen erstellen und bei komplexen Programmieraufgaben unterstützen. Sein Nutzen liegt vor allem darin, umfangreiche Informationen zu verarbeiten und daraus strukturierte, gut verständliche Ergebnisse zu entwickeln.
Google Gemini richtet sich vor allem an Nutzerinnen und Nutzer, die bereits im Google-Ökosystem arbeiten. Das Tool lässt sich eng mit Diensten wie Google Workspace verbinden und eignet sich für Text-, Bild-, Datei- und andere multimodale Aufgaben. Besonders interessant ist Gemini daher für Unternehmen, Schulen, Studierende und Privatpersonen, die beispielsweise mit Gmail, Google Docs, Sheets oder anderen Google-Diensten arbeiten. Der große Nutzen besteht darin, dass KI-Unterstützung direkt in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden kann, wodurch beispielsweise Dokumente analysiert, Texte erstellt oder Informationen zusammengeführt werden können.
Microsoft Copilot ist besonders für Unternehmen und Personen interessant, die mit Microsoft 365 arbeiten. Copilot unterstützt unter anderem Anwendungen wie Word, Excel, PowerPoint, Outlook und Teams. Die Funktionen reichen von der Erstellung und Überarbeitung von Texten über die Analyse von Daten bis zur Unterstützung bei Präsentationen, E-Mails und Besprechungen. Die Zielgruppe sind daher insbesondere Büroangestellte, Unternehmen und Organisationen, die bereits stark auf Microsoft-Produkte setzen. Der größte Nutzen entsteht durch die direkte Einbindung in den gewohnten Arbeitsablauf: Statt zwischen verschiedenen Programmen wechseln zu müssen, kann die KI innerhalb der Microsoft-Umgebung eingesetzt werden.
Eine besondere Stellung nimmt Perplexity ein, das vor allem auf Recherche und Informationssuche ausgerichtet ist. Das Tool kombiniert die Fähigkeiten eines KI-Assistenten mit einer Websuche und stellt Antworten mit Quellenbezügen bereit. Dadurch eignet es sich besonders für Studierende, Journalistinnen und Journalisten, Forschende, Analysten sowie alle Personen, die schnell einen Überblick über ein Thema erhalten möchten. Der zentrale Nutzen liegt in der Unterstützung bei der Recherche: Statt nur eine generierte Antwort zu erhalten, können Nutzerinnen und Nutzer nachvollziehen, auf welche Quellen sich die Informationen beziehen. Trotzdem sollten wichtige Aussagen und Quellen immer selbst überprüft werden.
Für die Softwareentwicklung spielen spezialisierte KI-Werkzeuge wie GitHub Copilot eine wichtige Rolle. Sie richten sich hauptsächlich an Programmiererinnen und Programmierer sowie Entwicklerteams. Solche Tools können beispielsweise Programmcode vervollständigen, Funktionen vorschlagen, Fehler erklären und bei der Erstellung oder Überarbeitung von Code helfen. Der Nutzen besteht vor allem in einer höheren Produktivität: Entwickler können Routineaufgaben schneller erledigen und sich stärker auf Architektur, Problemlösung und die fachliche Umsetzung konzentrieren. KI ersetzt dabei jedoch nicht die Kontrolle durch erfahrene Entwickler, da generierter Code Fehler oder Sicherheitsprobleme enthalten kann.
Im Bereich der Bildgenerierung gehören Midjourney, Adobe Firefly und die Bildfunktionen moderner KI-Assistenten zu den wichtigen Werkzeugen. Sie richten sich vor allem an Designerinnen und Designer, Marketingabteilungen, Social-Media-Teams, Kreativagenturen und zunehmend auch an Privatpersonen. Mit solchen Anwendungen lassen sich aus Textbeschreibungen Bilder, Illustrationen, Werbemotive, Entwürfe oder kreative Varianten erzeugen. Midjourney wird insbesondere für hochwertige und kreative Bildwelten eingesetzt, während Adobe Firefly vor allem für Nutzer interessant ist, die bereits mit der Adobe Creative Cloud arbeiten. Der wesentliche Nutzen liegt darin, visuelle Ideen sehr schnell zu entwickeln und erste Entwürfe zu erstellen, ohne jedes Motiv vollständig manuell gestalten zu müssen.
Für die Videoproduktion gewinnen KI-Tools wie Runway an Bedeutung. Sie richten sich an Kreative, Marketingteams, Content Creator, Agenturen und teilweise auch an Film- und Medienproduktionen. Solche Anwendungen können unter anderem Videos aus Textbeschreibungen erzeugen, bestehendes Videomaterial verändern oder bei visuellen Effekten unterstützen. Der Nutzen besteht vor allem in der Beschleunigung kreativer Prozesse: Ideen können schnell visualisiert, Szenen getestet und Inhalte für soziale Medien produziert werden.
Im Bereich Audio und Sprache ist ElevenLabs ein bedeutendes Beispiel. Das Tool richtet sich unter anderem an Podcaster, Content Creator, Unternehmen und Medienproduzenten. Es kann realistisch klingende künstliche Stimmen erzeugen und wird beispielsweise für Voice-over, Hörinhalte oder andere Audioproduktionen eingesetzt. Der Vorteil besteht darin, dass professionelle Sprachaufnahmen teilweise schneller und kostengünstiger erstellt oder Varianten eines gesprochenen Textes produziert werden können.
Für die Musikerstellung ist beispielsweise Suno interessant. Die Zielgruppe reicht von Hobby-Musikern und Content Creators bis zu Personen, die schnell musikalische Ideen entwickeln möchten. Aus textlichen Vorgaben können komplette Musikstücke beziehungsweise Songs erzeugt werden. Der Nutzen liegt vor allem im schnellen Experimentieren: Auch Menschen ohne umfangreiche musikalische oder technische Kenntnisse können Ideen in hörbare Entwürfe verwandeln.
Eine weitere wichtige Kategorie sind KI-Tools für Produktivität und Automatisierung, beispielsweise Notion AI oder Automatisierungsplattformen wie Zapier AI und n8n. Sie richten sich vor allem an Unternehmen, Selbstständige und Teams, die wiederkehrende Arbeitsabläufe automatisieren möchten. Solche Systeme können Informationen zusammenfassen, Aufgaben vorbereiten, Inhalte klassifizieren oder verschiedene Anwendungen miteinander verbinden. Der größte Nutzen liegt daher weniger in der Erstellung einzelner Texte als in der Automatisierung ganzer Arbeitsprozesse.
Für den deutschsprachigen und europäischen Raum sind außerdem Mistral AI und andere europäische beziehungsweise lokal betreibbare KI-Lösungen interessant. Sie können insbesondere für Unternehmen relevant sein, die Wert auf europäische Datenverarbeitung, Datenschutz und Kontrolle über ihre KI-Infrastruktur legen. Mistral bietet sowohl allgemeine KI-Assistenten als auch Modelle für Entwickler und Unternehmen. Der Nutzen liegt insbesondere darin, eine Alternative zu den großen US-amerikanischen Anbietern zu haben und je nach Lösung mehr Kontrolle über Daten und Infrastruktur zu ermöglichen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass KI-Tools unterschiedliche Schwerpunkte besitzen. ChatGPT eignet sich besonders als vielseitiger Allrounder, Claude für anspruchsvolle Texte, Dokumente und Programmierung, Gemini für Nutzer des Google-Ökosystems und Microsoft Copilot für die Arbeit mit Microsoft 365. Perplexity ist besonders hilfreich für Recherche, GitHub Copilot für Softwareentwicklung, Midjourney und Adobe Firefly für Bilder, Runway für Videos und ElevenLabs für Sprache und Audio. Für Automatisierung kommen wiederum Tools wie n8n, Zapier AI oder Notion AI infrage.
Für die Auswahl eines geeigneten KI-Tools sollte daher zunächst die konkrete Aufgabe betrachtet werden. Ein einzelnes Tool kann zwar viele Bereiche abdecken, spezialisierte Anwendungen liefern bei bestimmten Aufgaben jedoch häufig bessere Ergebnisse. Gleichzeitig ist es nicht sinnvoll, möglichst viele KI-Dienste parallel einzusetzen. Für die meisten Nutzerinnen und Nutzer ist ein kleiner, gut beherrschter Werkzeugkasten aus wenigen passenden Anwendungen sinnvoller als eine große Sammlung von Programmen. Besonders bei beruflicher Nutzung sollten außerdem Datenschutz, Urheberrecht, Kosten, Datenverarbeitung und die Zuverlässigkeit der erzeugten Ergebnisse berücksichtigt werden. KI kann die Arbeit erheblich beschleunigen, die fachliche Kontrolle durch den Menschen bleibt jedoch entscheidend.
- Beitrag im jhmc Magazin: Potenziale der KI in Unternehmen
- Übersicht über KI-Tools in den jhmc Surftipps


